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Kasper begegnet dem König (Lisa Wenger)

Kasper begegnet dem König

Personen: Kasper, Katri, erster und zweiter Soldat, König

Kasper: So, Kinder, jetzt setze ich mich hinterher an die Ecke und esse meine Wurst. Die hat mir die Katri gemacht. Und wer mich stört, dem hau ich den Kopf ab, eins, zwei, drei!

Kinder: (lachen)

Kasper: Da gibt’s nichts zu lachen. Bums! Und wenn es der Herr König wäre! (Man hört Trommel und Trompete.) Was ist das? So trommelt man, wenn der Herr König vorbeigeht. Er wird sich doch nicht unterstehen, hierher zu kommen, wenn ich meine Wurst esse? Kinder, wenn ihr ihn kommen seht, ruftmir. (Isst seine Wurst. Trommel kommt näher.)

Soldat: Fort, ihr Leute! Fort mit euch! Lauft, lauft! Der Herr König kommt.

Kinder: Kasper, Kasper, der König kommt!

Soldat: Fort, Kinder! Aus dem Weg! Der Herr König kommt.

Kinder: Gerade den wollen wir sehen. Wir haben noch keinen König gesehen.

Soldat: Wenn er kommt, so bückt ihr euch alle und schreit: Hurra!

Kasper: Da wird nichts draus. Ich bücke mich nicht. Er soll sich bücken, denn ich bin der Kasper.

Soldat: Fort oder ich schiesse! (Zielt auf Kasper.)

Kasper: Schiess du nur, wenn du kannst. (Reisst ihm das Gewehr. Zielt auf den Soldaten.)

Soldat: (brüllt und rennt weg. Kasper ist wieder an seiner Ecke.)

Zweiter Soldat: Was ist das für ein Lärm? Platz, Platz, der grosse König kommt! Unsere Majestät kommt. Platz, Platz!

Kasper: Wenn ich meine Wurst gegessen habe, gehe ich.

König: Ich bin meine Majestät, der König.

Kasper: Freut mich, deine Bekanntschaft zu machen, meine Majestät.

König: Seine Majestät!

Kasper: Nicht seine, meine. Wem denn sein? Aber du hast eine sehr schöne Krone. Hat sie viel gekostet?

König: Wie heisst du, frecher Mensch?

Kasper: Herr Kasper heisse ich.

König: Krieche aus meinem Weg, Wurm! Was issest du da?

Kasper: Wurst.

König: Wurst? Was ist das? Ich habe noch nie eine Wurst gegessen.

Kasper: Was? Keine gegessen? Du armer Teufel!

König: Meinst du mich?

Kasper: Ja, natürlich, deine Majestät.

König: Die riecht herrlich. Gib mir die Wurst!

Kasper: Ich denke nicht daran, Die hat mir meine liebe, süsse Katri gemacht.

König: Lass mich daran riechen. Katri soll mir auch eine Wurst machen. Soldat, holde die Katri!

Soldat: (holt die Katri. Man hört Geschrei): Kasper, hilf mir, Kasper, hilf mir! .. Ein Soldat hat mich gepackt! …

Soldat: Sie ist ein böses Weibsbild, hat mich in den Finger gebissen.

König: Katri, ich befehle dir, mir eine Wurst zu machen wie dem Kasper da!

Kasper: Was hast du der Katri zu befehlen, König? Nichts hast du zu befehlen! Ich habe zu befehlen. Jetzt befehle ich: Katri, mache dem Herrn König eine Wurst!

Katri: Befiehl, so lange du willst! Dem Herrn Majestät mache ich keine Wurst.

König: Kasper, befiehl noch einmal!

Kasper: Katri, ich befehle dir zum zweiten und letzten mal: Mach dem König eine Wurst!

Katri: Ich mache eine, Herr König und Majestät, wenn du mir deine Krone gibst.

König: Ich gebe sie, ich gebe sie. Her mit der Wurst! (Er gibt die Krone.)

Katri: Für die Krone wird die Wurst aber nur so lang wie mein Finger. Gib den Ring dazu, dann wird sie länger.

König: Ich gebe ihn, ich gebe ihn. Nur schnell her mit der Wurst. (Gibt den Ring.)

Katri: Aber für den Ring wird sie nur so lang wie meine Hand. Gib den Mantel dazu, dann wird sie länger.

König: Ich gebe ihn, ich gebe ihn, aber nun her mit der Wurst! (Gibt den Mantel.)

Katri: Aber für den Mantel wird die Wurst nur so lang wie mein Arm. Gib die Hosen dazu, dann wird sie zwei Ellen lang!

König: Gib, gib, ich kann nicht länger warten. (Zieht die Hosen aus.)

Katri;

Kinder: (lachen furchtbar den König aus.)

Kasper:

Katri: Schäme dich, Herr König, schäme dich! Du bist kein König mehr, du stehst im Hemd da!

Kasper: Auf Wiedersehen, Herr König ohne Majestät, von unserer nächsten Sau kriegst due eine Wurst, so lange wie du dumm bist.

König: Kasper, Kasper, lass mich wenigstens abbbeissen!

Kasper: Da, beiss einmal! (Reiss dem König aber die Wurst schnell weg. Isst sie selbst.)

König: (heult.)

Kasper: Das ist mir ein König!

Katri: Schäm dich, so zu heulen wegen einer Wurst. (Lacht.)

Kasper: So, Herr König Majestät, jetzt werde ich dich absetzen und selber regieren. Fort, mit Extrapost! (König weinend ab.)

Kasper und Katri: (lachen furchtbar.)

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Kaspers Katrin und die neue Magd (Lisa Wenger)

Personen: Kasper, Katrine, Zuse, die Magd, die Kinder

Kasper: Guten Tag, Kinder! Kennt ihr mich noch?

Kinder: Ja, ja, ja! Du bist der Kasper!

Kasper: Woran kennt ihr mich denn?

Kinder. An deiner langen Nase!

Kasper: (lacht furchtbar): Gott, Kinder, seid ihr aber gescheit! Habt ihr vielleicht auch die Katrine vorbeigehen sehen? Sie hat einen geblümten Rock an und eine gelbe getüpfelte Haube (Oder wie  die Katrine eben gekleidet ist.)

Kinder: Nein, nein, da ist nicht vorbeigekommen.

Kasper: Sie sucht eine neue Magd. Sie hat der letzten unsere Katze ins Gesicht geschmissen, und die Magd hat den ganzen Topf mit Milch über die Kleider und den Kopf geschüttet, und da hat die geklagt, und die Katrine hat fünfzehn Franken bezahlen müssen, jawohl!

Kinder: (lachen.)

Kasper: Und wisst ihr, wo sie das Geld hergenommen hat zum Bezahlen?

Kinder: Nein, hat sie’s gefunden?

Kasper: Nein.

Kinder: Gestohlen?

Kasper: Nein.

Kinder: Verdient?

Kasper: Keine Rede! Aus meinem Geldsäcke hat sie’s genommen! Das macht sie immer so. Wenn sie etwas will, sagt sie: „Gib mir unser Portemonnaie“, und wenn ich etwas sagen will, sagt sie: „Gib mein Portemonnaie her!“ Ja, so sind sie halt…

Kinder: Wer?

Kasper: Wer? Wer wohl? Die Weiber.

Kinder: Aber nicht alle. Meine Mama nicht.

Kasper: Nur die, die Katrine heissen.

Kind: Meine Mama heisst auch Katrine, aber die macht’s gerne anders!

Kasper: Wie denn?

Kind: Sie sagt zum Papa: „Schätzli, Spätzle, Kätzli, ich muss Geld haben,“ und dann gibt er es ihr.

Anderes Kind: Meiner gibt ihr nichts.

Drittes Kind: Meiner gibt ihr!

Viertes Kind: Meiner läuft in der Stube herum und – schimpft!

Kasper: Ei, ei, ei, ei!

Kind: Meiner sagt: „Das Portemonnaie kannst du haben, es ist nichts drin.“

Anderes Kind: Und meiner sagt: „Am 30. Februar gibt’s Geld!“

Alle Kinder: Je, der weiss nicht einmal, dass es keinen 30. Februar gibt!

Kasper: Kinder! Da kommt ja meine Frau, die Katrin! Und mit der neuen Magd. Das ist aber ein Trampeltier!

Katrine: So, da habe ich nun wieder ein. Sie heisst Zuse.

Kasper: Kann sie kochen: Austern, Kaviar und Froschschenkel?

Zuse: Ebe nie, grad das chan i nöd! Aber Nudle und Härdöpfel, das chan i choche wie de Blitz.

Kasper: Sonst nichts? O weh, mein armer Bauch! (Hält den Bauch.) Kann sie waschen?

Zuse: Hä natürli. My Händ, die wasch i all Tag, und töchne, das chönd sie vo elleige.

Kasper: Das kann ich auch, und dafür gibt mir kein Mensch nur einen Batzen. Kann sie nähen?

Zuse: Büetze? Ha, das will i meine. Alles, was sie wand. Bloss fädle, das chan i nüd. I gseh nöd gnueg!

Kasper: So ein Weibsbild! So ein Weibsbild! Das kann ja gar nichts!

Katrine: Weisst du, Kasper, sie kann dir den Wagen ziehen helfen, wenn du das Gemüse auf den Markt fährst.

Zuse: Nie, nie, das gort Süd! I ha bösi Füess! I cha Süd weidli laufe.. Chume Süd wyt, das chönd Sie mir glaube…

Kasper: (böse) Was kannst du denn, du Trampeltier?

Zuse: He, i chan viel: Schlaufe, wänn i g’ässe hä, und ässe wenn i trunke hä, und dänn fang i wieder vo vorne a. Das chönd Sie mir glaube! Und e guets Trinkgeld näh, das chan-i au! Do hän i nüt degäge. Glaubed Sie mer’s oder glaubet Sie mer’s Süd?

Katrine: Fort, fort, Faultier, weg mit dir, Vielfrass, Schlafratze, angelogen hast du mich… (Prügelt Zuse.)

Zuse: Helfio, helfio, mich brüllet Köpper mir butzt Köpper um d’Ohre! Das will i nüd, das sich mer z’viel… das hän i gar nüd gern! Oh, oh, oh, ….

Kasper: (lacht sehr.)

Polizist: Was geht hier vor? Wer schreit hier so? (Katrin prügelt weiter.)

Zuse: Ich, ich bin’s, mich haut eini! … Die do haut mich.

Polizist: Da muss ich einschreiten. Aufhören! Das geht nicht! Aufhören!

Zuse: Das Wybsbild do verübelt much! … Oh, oh, oh! …

Polizist: Schreien Sie nicht so! Lärm ist nicht erlaubt. Wer sind Sie? Warum schreien Sie?

Zuse: He, das geht mer doch, du Blindeschlycher!

Polizist: Frau, ich will Antwort haben. Hören Sie auf, oder ich haue Ihnen eine herunter! … (Sie schreit weiter, weil Katrine sie prügelt, und der Polizist gibt ihr eine Ohrfeige.)

Zuse: (haut ihm noch eine viel ärgere): So, do häscht einie die gspürscht dyner Lästig, und no e bitzeli länger.

Polizist: Mit kommst du, auf die Wache kommst du!

Zuse: Do wird nüt drum. Es Mul häscht a dym Chopf, dass me Dampfnudel chönnt inerüere; aber de richtige Lüt Watsche geh, das hasch Süd glehrt.

Polizist: Jetzt machst du, dass du fortkommst!

Zuse: Ja gern! Chumm nu mit i mys Lädnli, do chunscht so viel Dampfnudel i düs Mul über, wie d’magsch! (Läuft davon.)

Kasper: (lacht): Ist jetzt sie Meister geworden, oder bist du Meister geworden, Herr Polizist?

Polizist: Ich. Das versteht sich

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Kasper sucht einen Knecht (Lisa Wenger)

Personen: Kasper, Sami, Kristen, ein Knecht

Kasper: (kommt singend daher, sieht den Sami nicht und stösst ihn an.) Oha, was steht denn da für ein Stock? Wer bist du? Was willst du hier? (Keine Antwort). Er versteht mich nicht, ich muss französisch mit ihm reden: Bun shur, Musié, commeé vu portugal? (Keine Antwort). Ich muss englisch reden: Hou du ju Dubel? – Er versteht auch kein Englisch. Da muss ich es italienisch probieren. Bon tschorno, madonna, tutti frutti, avanti, perduto … Auch kein italienisch. Ja, was verstehst du eigentlich, du Löhl?

Sami: Grad das verstehe ich. Hättet ihr mit dem angefangen!

Kasper: Jäso, seid Jhr ein Schweizer? Und wie heisset Ihr?

Sami: Sami. Aber meistens Löhn. Sie sägen mir alle so. (Kasper lacht.) Und ich habe Euch fragen wollen, ob ihr vielleicht einen Knecht braucht.

Kasper: Allweg ja, gerade suche ich einen. Was könnt ihr? Was habt ihr gelernt?

Sami: Alles kann ich. Grad alles. Fragt, wo ihr wollt es ischt überall die gleiche Antwort.

Kasper: Kristen, Kristen, komm her! Da ist einer, der alles kann.

Kristen: So, so, der kann alles? Da werde ich nicht lange mehr auf dem Hof bleiben können. Was will er für einen Lohn?

Sami: O habt keine Angst, Kristen, dass ich zu billig bin. Ein Fränklein will ich.

Kasper: Im Tag?

Kristen: (lacht furchtbar.)

Sami: Nicht im Tag, im Jahr.

Kristen: (haut ihm eine): Ich will dir, den Meister so zum besten zu haben.

Sami: Nummer weiters im Text, derartigs bin ich schon gewohnt.

Kasper: Also, was könnt ihr? Ich will fragen, und ihr könnt mir antworten. Also: Könnt Ihr säen? Wie tut Ihr etwa, um Mehl zu bekommen zum Brotbacken?

Sami: Das sich, denke ich, einfach: Ich kaufe ein vierpfündiges Brot, mache Brosämchen daraus und säe sie über den ganzen Acker.

Kristen: (gibt Sami einen Puff, dass er von Links nach Rechts rutscht.)

Kasper: O du Mordiolöhl! (Lacht furchtbar.) Und wie tut ihr etwa Kirschablesen, dass der Baum gut und gschwind leer wird?

Sami: (der jetzt rechts steht): Ho, das ist no einfacher. Ich hole Stücker zwanzig Buben aus der Schule und stelle eine Leiter an den Baum, und im Handumdrehen ist er leer.

Kristen: (gibt Sami einen Stoss, dass er wieder nach links fliegt.)

Sami: Das ist schnell gegangen. Jetzt bin ich wieder da!

Kasper: Löhn, was habe ich dann davon? Einfach dass mein Baum leer ist, und die Kirschen haben die Buben im Bauch.

Sami: He, denen tut es wohl, my Seel! Und ihr braucht die Chriesi nicht abzulesen.

Kasper: Kannst du reiten?

Sami: Das habe ich schon als Häfelischüler gekonnt, wenn ich auf meinem Holzrösli gehocket bin.

Kristen: (lacht.)

Kasper: Du anerkannter Löhn! Ich meine, ob du auf einem richtigen Ross schon geritten bist?

Sami: Allweg, wenn zwei mich halten und das Ross nicht davonläuft.

Kasper: Haut ihm eine herunter, Kristen, der ist ja dümmer als der König im Kegelries.

Kristen: (haut Sami eine, dass er vornüber fällt, gleich aber wieder aufsteht.)

Kasper: Also mit den Rossen ist es nichts. Jetzt zu den Kühen. Wie melkst du die Kühe?

Sami: Ho, etwa manierlich. Ich nehme sie und fange an. Und dann melke ich sie.

Kristen: Wo? Etwa am Horn?

Sami: Schäm dich doch! Wo? Am Schwanz, natürlich.

Kasper: Das hale ich nicht aus. Kristen …

Kristen: Ja, ja, brauchst mir nicht zu befehlen: Da! (Haut Sami eine, dass er vornüber fällt, wieder in die Höhe kommt, und Kristen haut ihm noch eine.) So! Bischt du zufrieden?

Sami: Dank heimisch, wenn du schon nur der Knecht bischt.

Kasper: Und wie steht’s mit dem Fahren?

Sami: O etwa ebenso gut wie mit dem Reiten. Wenn ich Rösselryti gefahren bin, sob bin ich immer in einem Wägelein gehockte, und es ist artig herumgefahren.

Kristen: Soll ich?

Kasper: Wart noch was der Plapperlöhl noch weiter weiss.

Sami: Plapperlöhl, das hat noch keiner gefunden, das ist ein gutes Wort. (Lacht.)

Kasper: Was gibst du den Kühen zu fressen? Weisst du, was sie brauchen?

Sami: Ho, das will ich meinen. Am Werktag gebe ich ihnen Kaffee und Schwarzbrot, um am Sonntag Weggli. Warum soll das liebe Vieh es schlechter haben als wir beide?

Kasper: Es ist zum Verrücktwerden. Lang höre ich nicht mehr zu. Und auf die Nacht, was machst du da?

Sami: Ich lege den Kühen halt ihr Nachthemli an und …

Kristen: Eins, zwei, drei …

Kasper: Halt, wart noch! Kinder, würdet ihr so einen Schnürfli zum Knecht wollen?

Kinder: Nein, nein, nein, nein!

Sami: Ich begreif‘, dass Ihr mich nicht wollt. Ich bin ein teurer Knecht. Man muss mir viel geben, bis man mich bekommt.

Kristen: So, viel muss man dir geben? Also: Hüp … (Prügelt ihn.)

Kasper: Bist du zufrieden? Sonst sag’s nur, kannst noch mehr haben. Ich habe auch noch ein paar in der Faust.

Sami: (reibt sich den Rücken): Meine Grossmutter hat immer gesagt: Man muss nicht von allem haben wollen.

Kasper: So lauf, so schnell du laufen kannst. Sonst könnte es schief gehen.

Sami: Vorwärts oder hinterwärts?

Kristen: (gibt ihm wieder einen Puff): So, jetzt weisst du den Weg.

Sami: (zu den Kindern): Ich glaube Mund mir scheint, der Kasper wolle mich nicht? Das kann ich nun einmal nicht begreifen. Vielleicht ist ihm ein Fränklein zu viel.

Kristen und Kasper: (wollen sich auf ihn stürzen, aber Sami rennt davon.)

Sami: (ruft): Auf ein ander Mal!

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Kasper lernt den Teufel kennen (Lisa Wenger)

Kasper lernt den Teufel kennen
Personen: Kasper, Katri, Teufel, seine Grossmutter, Pfarrer

Kasper (kommt angelaufen): Radi, radi‚ rullalIa‚ rullalla . . .

Teufel: (einen Huf auf dem Kopf. Man siehf die Hörner nicht): Guten Tag, Kasper! Da gehf’s aber lustig zu!

Kasper: Fröhlich gelebt und ehrlich gestorben, hat dem Teufel die Rechnung verdorben!

Teufel: Wer hat dich eine solche Dummheit gelehrt, Kasper?

Kasper: Hat mich meine Grossmutter gelehrt, als sie noch ein junges Mädchen war. Aber wer bist du eigentlich?Schön bist du gerade nicht, und hinken tust du auch. Hast ja einen Fuss wie ein Pferd.

Teufel: Was gehf’s dich an? Hast ja selbst eine Nase wie eine Karfoffel! Aber ich habe es gut mil dir im Sinn.

Kasper: Freut mich. Aber zeig’ mir’s auch! Schwatzen kann jeder.

Teufel: Da, nimm! Das ist der beste Schnaps, den du auf dieser Erde finden kannst! Cognac mil sechs Sternen. _

Kasper: (trinkt): Geht den Hals hinunter wie Sammet! Möchte gleich noch einen Schluck.

Teufel: Da! Und nun gehen wir ins Wirtshaus und essen Sauerkraut und gebackenen Kalbsfuss.

Kasper: Habe kein Geld.

Teufel: Das kann man sich verschaffen. Da noch ein Schluck!

Kasper: Noch zwei! Das reine Goldwasser. Wer doch immer solch ein Fläschen hätte!

Teufel: Kannst du dir alles verschaffen. Brauchst nur Geld dazu.

Kasper: Das weiss ich, du Tölpel. Aber wo? (Er trinkt einen Schluck und wird betrunken.)

Teufel: Wo? Da gehen wir jetzt zusammen hin. Bei meinem Onkel ist Geld genug: ebener Erde, ein Schreibtisch, eine Schublade – du greifst hinein und hast eine Handvoll.

Kasper: Nicht übel der Plan, nicht übel. Gleich sieht die Welt ganz anders aus. Aber wo – wohnt er, dein – On – Onkel?

Teufel: Komm‘ nur mit! Wirst dann schon sehen. (Nimmt Kasper am Arm)

Kasper: (singt laut): Radi rull.

Teufel: Schweig doch, du Narr! Halt doch dein Maul!

Kasper: Ich bin aber lustig. – Ich bekomme viel Geld – u … Schnaps, radi, radi, rullalla!

Teufel: Da kommt jemand. Der Herr Pfarrer! Jetzt heisst es aufpassen, Kasper!

Pfarrer: Guten Abend, Kasper! Wie geht es denn?

Kasper: Schönen- schönen – guten – Abend. Du, gib dem Pfarrer einen Schnaps.

Pfarrer: Bewahre! Wer seid ihr denn, guter Mann? Ihr kommt mir bekannt vor?

Teufel: Ist nicht gut möglich. Da, wo ich herkomme, sind die Pfarrer nicht daheim.

Pfarrer: Kasper, komm‘ mit mir! Der Mann gefällt mir nicht. Er riecht nach Schwefel, als käme er von Sodom und Gomorrha.

Kasper: Ein guter Mann – hat mir Schnaps gegeben – weiss wo dem Onkel sein Geld ist … sein …

Teufel: Schwein ist. Er hatte sich verlaufen. Du bist betrunken … Kasper.

Kasper: Weiss, wo dem Onkel sein …

Teufel: (Gibt dem Kasper einen Stoss): Jetzt komm, Kasper, wir müssen fort.

Pfarrer: Der Kasper kommt mit mir. Wir trinken einen guten Kaffee zusammen.

Kasper: Nix Kaffee! Schnaps! Und der Onkel … (Torkelt mit dem Teufel davon.)

Pfarrer: (ruft): Pass aug, Kasper, pass auf!

Teufel: Fast hättest du mit deinem dummen Geschwätz alles verdorben. Stehlen ist nicht so einfach. Das kann man …

Kasper: Stehlen? – Was stehlen? Wer soll stehlen? Ich soll stehlen? Nein, meine Grossmutter hat immer gesagt: … Ehrlich …

Teufel: Kannst dir aber alles kaufen, was du willst, Kasper. Schnaps und Wein und Leberwurst und kannst eine gelbe Pfeife kaufen…

Kasper: Pfeife kaufen? Gut, gut. ( Sie gehen ein paar Schritte): Aber meine Grossmutter hat gesagt: „Ehrlich gestorben, ist dem Teufel das .. Handwerk verdorben“, hat sie gesagt …

Teufel: Dummes Zeug, was so eine Alte sagt…

Kasper: Doch – ehrlich, hat sie gesagt – dem Teufel die …

Teufel: Aber viel Geld kannst du bekommen! Viel Geld …

Kasper: Schön … schön … aber dem Teufel die Rechnung verdorben ist auch schön…

Teufel: (bockt, der Hut fällt ihm herunter.)

Kasper: (erschrickt furchtbar): Du bist ja der Teufel. Du hast ja Hörner! Teufel! Teufel!

Teufel: Schweig doch … Esel! Schweig doch! Komm zum Onkel!

Kasper: (packt ihn): Katri, Katri, Katri! Der Teufel! Komm und hilf.

Katri: Was brüllst du so Kasper? (Sie schreit plötzlich auf.) Der Teufel! Der Teufel!

Kasper und Katri: (reissen den Teufel jedes an einem Arm und zerren ihn hin und her): Hüst – hott! Hüst – hott! hin – her, hin – her!…

Teufel: (brüllt): Wartet, bis ihr bei mir in der Hölle sein werdet! Euch will ich braten!

Kasper: Betrunken hat er mich gemacht. Stehlen hat er mich lehren wollen … der Lump! (Zerren ihn hin und her.)

Teufel: Lasst mich los, lasst mich los! …

Beide: (Verprügeln ihn)

Teufel: Grossmutter, hilf, Grossmutter, hilf! Schlag sie tot, hau sie durch!

Grossmutter: (packt ihn am Kragen): Du dummer Teufel! Fort mit dir! (Fährt mit ihm in den Abgrund.)

Kasper: Dem Teufel hilft nicht einmal seine Grossmutter. Ich bin froh, dass es nicht meine ist. (Ab mit Katri)

 

SJW 31

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Kasper will eine Reise machen

Kasper will eine Reise machen
Personen: Kasper, Katri, seine Frau
Kasper: (kommt mit einem Sack auf dem Rücken und dem Regenschirm): Also leb‘ wohl, Katri. Pass auf zum Häuschen, lass‘ das Licht nicht brennen und lass‘ das Wasser in der Küche nicht laufen. Schliesse die Fensterladen wegen den Dieben, und mach‘ nicht auf, wenn’s läutet. Und wenn einer kommt und etwas will, so sagst du, es sei niemand zu Hause. Aber wenn dir einer etwas bringst, so nimmt du’s, und wenn er Geld dafür möchte so …
Katri: Hör‘ auf, Kasper, hör‘ auf! Da wird man ja verrückt.
Kasper: Und wenn einer Geld von dir will, so sagst du, gestern sei uns alles gestohlen worden, und wenn sie doch etwas bei uns finden, so sagst du, es gehöre alles dem Grossvater seiner Urgrossmutter, und wenn sie die anbetteln wollen, da sagst du, sie seien alle beide gestern gestorben …
Katri: Mach jetzt endlich, dass du fortkommst! .. Es ist ja …
Kasper: Ich kann nicht fort und zugleich kommen …
Katri: Ach, geh‘ mir aus den Augen!
Kasper: Kann ich nicht, weil ich nie in deinen Augen drin war.
Katri: Ach, du Haarspalter, du Tüpflisch…
Kasper: Haarspalter? Ich spalte ur Holz. Haare habe ich meiner Lebtage nie gespalten.
Katri: Ich wollte, du hättest Siebenmeilenstiefel an, denn wärst du schon über alle Berge, und ich wäre dich los.
Kasper: Siebenmeilenstiefel wären mir viel zu gross, da fiele ich ja beim ersten Schritt heraus…
Katri: Ach, hol‘ dich der Kuckuck!
Kasper: Wenn mich doch der Kuckuck holte, dann könnte ich mit ihm fliegen und brauchte nicht auf einer staubigen Landstrasse zu laufen. Also, jetzt lebe wohl, Katri und pass‘ gut zum…
Katri: Hast du ein Taschentuch, Kasper? Und hast du Seife, du ewiger Schmierfink? Und wollene Strümpfe? Und wenn’s regnet, ziehe sie an! Und wenn…
Kasper: Hör‘ auf, hör‘ auf, man wird ja verrückt…
Katri: Und geh‘ nicht in ein teures Wirtshaus, aber auch nicht in ein billiges wo du Wanzen aufließest; die will ich nicht in meinem Häuschen haben.
Kasper: Jetzt hör‘ auf mit Schwatzen, ich halt’s nicht mehr aus.
Katri: Und wenn du auf der Eisenbahn fährst, so nimmst du fünfter Klasse oder läufst hinterher. Und wenn du Hunger hast, brauchst du keinen Gänsebraten zu bestellen, eine Wurst tut’s auch, und zwar eine kleine, und …
Kasper: Aufhören, Katri, aufhören! …
Katri: Und da hast du das Reisegeld, ein liebes, silbernes, ächtes Schweizerfränklein. Wenn du gut sparst, so kannst du noch etwas mit heimbringen. Und aus dem Rest lässest du dir nachher die Stiefel besohlen. Du wirst sowieso mit einem Loch heimkommen!
Kasper: He ja, besonders wenn ich schon mit eine gehe.
Katri: Und was das Trinken betrifft, Kasper, da muss ich denn schon sagen: eine frische Geissmilich ist billiger als eine Flasche mit…
Kasper: Ich bleib‘ da, ich bleib‘ da, ich geh‘ auf keine Reise, und nun hast mich wieder für ein Jahr daheim, du Plapperschlange, und das Geschieht dir ganz recht!
Katri: O, ich arme Katrine, ich arme Katrine! Ach, hätte ich doch geschwiegen!
Kasper: Ja gelt, hättest du! Und das Fränklein behalte ich auch und gebe es nicht wieder het.
Katri: Was? Ein ganzes Jahr soll ich dich auf dem Hals haben, und das Fränklein willst du auch behalten? O^ich arme Katrine! … Ich arme … Auf der Stelle machst du dich auf die Reise mit samt deinem Fränklein. Das könnte euch beiden so passen, miteinander daheim zu bleiben!
Kasper: (steckt das Fränklein ein): o, du liebes, silbernes, ächtes, wohlverdientes, hundertprozentiges Schweizerfränklein! Komm, jetzt wollen wir die Welt bereisen. (Singt.) Muss i denn, muss i denn zum Städtele naus…

Lisa Wenger, SJW 31

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Der Frosch

Ein Herr im grünen Röcklein
Der sitzt auf einem Stöcklein
Im Gras, und schnappt ein Mücklein,
Und springt von seinem Brücklein
Hinunter in den See.
Und grad dem Fisch auds Köpflein,
Das tut dem armen Tröpflein
Gar weh.
Es möchte gerne weinen,
Und zappeln mit den Beinen,
Allein das kann es nicht.
Warum denn nicht?
Es hat halt keine,
Der arme Wicht.

 

Lisa Wenger, SJW Nr. 48

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Exile – James Joyce

Exile“ ist das einzige Theaterstück von James Joyce.
I shall smoke a cigarette. Thirty-seven copies have
now been sold in Dublin.

Ab 1.1.2012 gibt es eine unlimitierte Anzahl von Kopien auch in Dublin!

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