Kasper begegnet dem König (Lisa Wenger)

Kasper begegnet dem König

Personen: Kasper, Katri, erster und zweiter Soldat, König

Kasper: So, Kinder, jetzt setze ich mich hinterher an die Ecke und esse meine Wurst. Die hat mir die Katri gemacht. Und wer mich stört, dem hau ich den Kopf ab, eins, zwei, drei!

Kinder: (lachen)

Kasper: Da gibt’s nichts zu lachen. Bums! Und wenn es der Herr König wäre! (Man hört Trommel und Trompete.) Was ist das? So trommelt man, wenn der Herr König vorbeigeht. Er wird sich doch nicht unterstehen, hierher zu kommen, wenn ich meine Wurst esse? Kinder, wenn ihr ihn kommen seht, ruftmir. (Isst seine Wurst. Trommel kommt näher.)

Soldat: Fort, ihr Leute! Fort mit euch! Lauft, lauft! Der Herr König kommt.

Kinder: Kasper, Kasper, der König kommt!

Soldat: Fort, Kinder! Aus dem Weg! Der Herr König kommt.

Kinder: Gerade den wollen wir sehen. Wir haben noch keinen König gesehen.

Soldat: Wenn er kommt, so bückt ihr euch alle und schreit: Hurra!

Kasper: Da wird nichts draus. Ich bücke mich nicht. Er soll sich bücken, denn ich bin der Kasper.

Soldat: Fort oder ich schiesse! (Zielt auf Kasper.)

Kasper: Schiess du nur, wenn du kannst. (Reisst ihm das Gewehr. Zielt auf den Soldaten.)

Soldat: (brüllt und rennt weg. Kasper ist wieder an seiner Ecke.)

Zweiter Soldat: Was ist das für ein Lärm? Platz, Platz, der grosse König kommt! Unsere Majestät kommt. Platz, Platz!

Kasper: Wenn ich meine Wurst gegessen habe, gehe ich.

König: Ich bin meine Majestät, der König.

Kasper: Freut mich, deine Bekanntschaft zu machen, meine Majestät.

König: Seine Majestät!

Kasper: Nicht seine, meine. Wem denn sein? Aber du hast eine sehr schöne Krone. Hat sie viel gekostet?

König: Wie heisst du, frecher Mensch?

Kasper: Herr Kasper heisse ich.

König: Krieche aus meinem Weg, Wurm! Was issest du da?

Kasper: Wurst.

König: Wurst? Was ist das? Ich habe noch nie eine Wurst gegessen.

Kasper: Was? Keine gegessen? Du armer Teufel!

König: Meinst du mich?

Kasper: Ja, natürlich, deine Majestät.

König: Die riecht herrlich. Gib mir die Wurst!

Kasper: Ich denke nicht daran, Die hat mir meine liebe, süsse Katri gemacht.

König: Lass mich daran riechen. Katri soll mir auch eine Wurst machen. Soldat, holde die Katri!

Soldat: (holt die Katri. Man hört Geschrei): Kasper, hilf mir, Kasper, hilf mir! .. Ein Soldat hat mich gepackt! …

Soldat: Sie ist ein böses Weibsbild, hat mich in den Finger gebissen.

König: Katri, ich befehle dir, mir eine Wurst zu machen wie dem Kasper da!

Kasper: Was hast du der Katri zu befehlen, König? Nichts hast du zu befehlen! Ich habe zu befehlen. Jetzt befehle ich: Katri, mache dem Herrn König eine Wurst!

Katri: Befiehl, so lange du willst! Dem Herrn Majestät mache ich keine Wurst.

König: Kasper, befiehl noch einmal!

Kasper: Katri, ich befehle dir zum zweiten und letzten mal: Mach dem König eine Wurst!

Katri: Ich mache eine, Herr König und Majestät, wenn du mir deine Krone gibst.

König: Ich gebe sie, ich gebe sie. Her mit der Wurst! (Er gibt die Krone.)

Katri: Für die Krone wird die Wurst aber nur so lang wie mein Finger. Gib den Ring dazu, dann wird sie länger.

König: Ich gebe ihn, ich gebe ihn. Nur schnell her mit der Wurst. (Gibt den Ring.)

Katri: Aber für den Ring wird sie nur so lang wie meine Hand. Gib den Mantel dazu, dann wird sie länger.

König: Ich gebe ihn, ich gebe ihn, aber nun her mit der Wurst! (Gibt den Mantel.)

Katri: Aber für den Mantel wird die Wurst nur so lang wie mein Arm. Gib die Hosen dazu, dann wird sie zwei Ellen lang!

König: Gib, gib, ich kann nicht länger warten. (Zieht die Hosen aus.)

Katri;

Kinder: (lachen furchtbar den König aus.)

Kasper:

Katri: Schäme dich, Herr König, schäme dich! Du bist kein König mehr, du stehst im Hemd da!

Kasper: Auf Wiedersehen, Herr König ohne Majestät, von unserer nächsten Sau kriegst due eine Wurst, so lange wie du dumm bist.

König: Kasper, Kasper, lass mich wenigstens abbbeissen!

Kasper: Da, beiss einmal! (Reiss dem König aber die Wurst schnell weg. Isst sie selbst.)

König: (heult.)

Kasper: Das ist mir ein König!

Katri: Schäm dich, so zu heulen wegen einer Wurst. (Lacht.)

Kasper: So, Herr König Majestät, jetzt werde ich dich absetzen und selber regieren. Fort, mit Extrapost! (König weinend ab.)

Kasper und Katri: (lachen furchtbar.)

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