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Landesmuseum: Copyright-Zeichen bei gemeinfreien Werken und Download nur für Journalisten?

Die sehenswerte Ausstellung im Landesmuseum Zürich verfügt über Bilder zum Thema Arbeit von 1860 bis 2015. Es handelt sich um einen Ausschnitt aus einer immensem Sammlung von über 400’000 Fotografien im Bestand des Landesmuseum.

Auf der Webseite des Landesmuseums finden sich auch Bilder von der Ausstellung. Insbesondere das Bild von Eduard Müller mit den vielen Arbeiter auf einer Baustelle ist faszinierend und wird auch für die Ausstellung prominent verwendet.

Allschwil - Eduard Müller

Mechanische Ziegelei Allschwil, 1898, Eduard Müller, Quelle: Nationalmuseum Schweiz

Das Landesmuseum erwähnt nun auf der Webseite, dass das Bild mit einem (c) urheberrechtlich geschützt ist und nur Journalisten dieses und andere Bilder downloaden dürfen. Eduard Müller ist 1915 verstorben, weshalb keine Urheberrechte seit ca 1966 mehr bestehen. Ein (c) Hinweis und darauf aufbauend ein Verbot eines Downloads ist nicht korrekt. Abgesehen davon ist der Download in der Schweiz für private Nutzung sowieso erlaubt.

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Wir haben deshalb im Landesmuseum nachgefragt, weshalb sie ein (c) Zeichen verwenden. In der Antwort bestätigt das Landesmuseum die Gemeinfreiheit des Werkes, erwähnt aber das der (c) Hinweis nicht bindend sei. Es geht ihnen um die Bezeichnung der Herkunft. Für die Bezeichnung der Herkunft braucht es jedoch kein (c). So kann eine Quellenangabe gewünscht werden und würde wohl auch von den meisten freiwillig gemacht. (c) bezeichnet zudem den Rechteinhaber. Wir haben deshalb bei Juristen des Instituts für geistiges Eigentum und bei der Digitalen Allmend nachgefragt. Bei gemeinfreien Werken gibt es keinen Rechteinhaber mehr, weshalb keine Urheberrechtsverletzung aufgrund der falschen Verwendung eines (c) Zeichens geltend gemacht werden kann. Verträge die jedoch basierend auf einem nicht korrekten (c) xy für ein gemeinfreies Werk eingegangen werden sind anfechtbar (OR Artikel 28 Täuschung).

Am einfachsten wäre, wenn das Landesmuseum vorsichtiger bei der Anwendung des (c) Symbols wäre und es nur dann nutzt, wenn sie wirklich Rechteinhaber sind. Anstelle des (c) könnten sie einfach einen Quellenhinweis erbitten. Ein guter und sinnvoller Umgang mit Urheberrechten setzt eben auch voraus, dass man sich nur auf das Urheberrecht beruft wenn wirklich Rechte bestehen. Alles andere verwirrt nur und unterminiert sogar die Wichtigkeit von korrekten Urheberrechtsangaben.

Leider verbietet das Landesmuseum auch das Fotografieren in der Ausstellung. Ruft aber auf, dass Leute Bilder von ihrer Arbeit einsenden. Das ist aber nur ein einseitiger Austausch. Sicher könnte die aktive Social-Media-Beteiligung an der Ausstellung gefördert werden, indem man ein paar gemeinfreie Bilder zur Verfügung stellt und zu einem Remix aufruft.

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Re-Mix von Eduard Müller Bild (gefunden auf Facebook)

Im Sommer 2016 wird die Studienbibliothek im Landesmuseum eröffnet und 400’000 digitalisierte Bilder sollten dann in der Bibliothek zugänglich sein. Es ist zu hoffen, dass zumindest die gemeinfreien Bilder direkt über das Internet frei zur Verfügung gestellt werden und nicht nur vor Ort. Auch soll nur ein (c) verwendet werden, wenn wirklich Urheberrechte bestehen und geltend gemacht werden.

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Walter Mittelholzers Flug in die Gemeinfreiheit

Walter Mittelholzer (gestorben 1937) war ein schweizerischer Luftfahrtpionier. Auf seinen Reisen hat er Fotoreportagen und Filme erstellt. Dazu gehören u.a. Reisen in den Nahen Osten oder Afrika, Flugreportagen von Alpenrundflügen in der Schweiz oder in den Norden zu den Spitzbergen. Daneben war er auch Unternehmer und hat den Vorläufer der Swissair mitgegründet. Sein Werk umfasst fast 18’000 Fotos, viele Reportagen und einige Filme.

Die Originale seiner Werke finden sich an verschiedenen Orten. So verfügt die ETH Bibliothek über eine immense Fotosammlung von ihm. Die Cinemathèque Suisse lagert Filmrollen und die zahlreichen Reportagen sind in verschiedenen Bibliotheken vorhanden.

Karin Karina Bühler - Modell Mittelholzer – Die Afrikaflüge als Anlass

Karin Karina Bühler – Modell Mittelholzer – Die Afrikaflüge als Anlass

Seine Werke sind seit 1.1.1998 in der Schweiz gemeinfrei und Digitalisate der Werke können dementsprechend frei genutzt werden. Im Rahmen des Re:PublicDomain Projektes haben wir davon auch schon mehrfach Gebrauch gemacht. So beispielsweise als wir mit der Fabrikzeitung eine Ausgabe zu Public Domain veröffentlicht haben oder als wir einen Filmabend zu seinen Ehren gemacht haben. Wir haben die sehenswerte Aneignung des Werkes „Modell Mittelholzer – Der Afrikaflug als Anlass“ von Karin Karinna Bühler gezeigt. Walter Mittelholzer hat auch heute noch eine gewisse Beliebtheit und Bekanntheit. So fand beispielsweise Anfang 2015 eine Ausstellung im Kulturraum St. Gallen statt.

Starfrosch & Mittelholzer

Starfrosch & Mittelholzer

Bei der Beschaffung der Werke von Walter Mittelholzer für Re:PublicDomain haben wir in den letzten Jahren unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Bis im Frühjahr von 2015 waren die Fotos von Walter Mittelholzer zwar online bei der ETH Bibliothek verfügbar. Die ETH verunstaltete die Bilder jedoch mit einem Wasserzeichen. Zudem wurden die Bilder mit einer Creative Commons Lizenz ausgestattet und deren kommerzielle Nutzung eingeschränkt, obwohl sie eigentlich gemeinfrei sind. Die ETH hat diese Praxis geändert und die Bilder können frei genutzt werden. Ein Schritt in die richtige Richtung.

Die Beschaffung von Digitalisaten der Filme war jedoch umständlicher. So wollten wir den Abessinenflug für eine Veranstaltung zeigen und neu Re-Mixen. Unsere Recherche führte uns zur Cinematique Suisse, wo wir eine Anfrage nach einer digitalen Version des Films stellten. Wir wurden gebeten die im Handel erhältiche DVD von Mittelholzer zu kaufen und die Lizenzrechte mit Praesens AG abzuklären. Die Rückfrage, weshalb wir Lizenzrechte für ein gemeinfreies Werke abklären sollte und ob eine bessere Digitalisierung besteht, als das eigentlich veraltete DVD Format wurde uns nicht beantwortet.  Deshalb haben wir die Praesens AG angegangen, welche damals von Walter Mittelholzer gegründet wurde und noch heute aktiv ist. Auch die Praesens AG empfahl uns den Kauf der DVD und teilte uns mit, dass die Praesens AG über die Rechte des Films verfügt. Trotz der Gemeinfreiheit seit 1988 wurde also ein Lizenzbeitrag nach Anzahl Besuchende verlangt. Eine Nachfrage nach der Möglichkeit den Film zu verändern, wurde dahingehend beantwortet das dies sehr kompliziert sei und wir eine detailierte Auflistung jeglicher Veränderungen einsenden sollten. Darauf basierend würde die Praesens AG, dann entscheiden, ob sie den Veränderungen zustimmen würden oder nicht. Ein Recht das sie eigentlich seit 1998 nicht mehr haben.

Beim Kauf der DVD wiederum lernt man, dass die Restaurierung und wohl auch die Digitalisierung von eigentlich öffentlich finanzierten Institutionen bezahlt und geleistet wurde. Dazu gehört der Verein Memoriav, welcher Projekte zum Erhalt audiovisueller Kultur fördert. Die Archivierung und Digitalisierung ist eine Kompetenz von der Cinematique Suisse. Beide Organisationen haben die Aufgabe den Zugang zu unserem Kulturgut zu gewährleisten. Memoriav schreibt deshalb den geförderten Projekten vor, dass die Zugänglichkeit gewährleistet werden muss.

Walter Mittelholzers Flug in die Gemeinfreiheit ist im Filmbereich noch nicht abgeschlossen. Es wäre wünschenswert, wenn die Cinematique Suisse die Digitalisate frei zur Verfügung stellt oder zumindest Digitalisate an eine Organisation übergibt, welche sie frei zugänglich macht. Vielleicht lohnt es sich die Nationalbibliothek zu kopieren und mit Wikimedia Commons zu kooperieren.

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Kunst im Netz: Das fröhliche Brechen des Urheberrechts

Ein Beitrag von Philipp Bürkler mit Beiträgen von Claudio Zopfi und Mario Purkathofer aus dem Re:Public Domain Projekt. Ausserdem mit Beni Bischof, Raphael Dörig, u.a. Public Domain Kunst ist nun ein eigenes Genre geworden. Erhöht der Beitrag jetzt die Relevanzkriterien von Wikimedia?

Internetnutzer, Künstlerinnen und Amateure laden täglich fremde Fotos auf ihre Facebook-Profile, imitieren das neuste Lied von Taylor Swift auf YouTube oder kombinieren Fotos auf Tumblr. Urheber des Materials sind meistens andere. Das Urheberrecht wird täglich gebrochen: Bewusst oder auch unbewusst.

http://www.srf.ch/sendungen/kontext/kunst-im-netz-das-froehliche-brechen-des-urheberrechts

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IGE veröffentlicht FAQ zu Public Domain

Das Institut für geistiges Eigentum hat auf unsere Anregung hin eine Zusammenstellung von häufigen Fragen und Antworten zur Public Domain veröffentlicht.

Es geht dabei auf häufige Fragen zur Public Domain ein und beschreibt dabei u.a.:

  • welche Werke nach schweizerischem Recht gemeinfrei sind (wie z.B. geistige Schöpfungen ohne Individualität, amtliche Protokolle und Berichte, wissenschaftliche Daten, 70-Jahre-Regel);
  • was man alles mit Werken in der Public Domain machen kann;
  • inwiefern originalgetreue Digitalisierungen eines gemeinfreien Werkes nicht zu einem Urheberrechtsschutz führen;
  • wann es erlaubt ist den DRM Schutz von gemeinfreien Werken zu umgehen.

Die FAQ sind besonders wertvoll, weil sie auch die Grenzen von urheberrechtlichen Ansprüchen auf der Website des Instituts für Geistiges Eigentum klar macht. Bisher kursierten vielerorts Annahmen und Thesen, beispielsweise über den urheberrechtlichen Schutz von Scans von gemeinfreien Bildern. Mit ihren Antworten schaffen die Experten des Instituts für geistiges Eigentum Klarheit bezüglich der Rechtssituation in der Schweiz.

Die FAQ liegt in den Landesprachen vor. Zudem werden in naher Zukunft weitere Antworten zu Fragen bezüglich internationaler Aspekte erscheinen.

Die Fragen wurden vom Verein Digitale Allmend in Kooperation mit weiteren Organisationen im In- und Ausland gesammelt und vom Institut für Geistiges Eigentum anschliessend beantwortet. Es sind Fragen, die sich uns bei der Arbeit für Wikipedia, OpenGLAM, Re:Public Domain und bei weiteren Aktivitäten immer wieder gestellt haben. Wir danken dem Institut für Geistiges Eigentum für seine Kooperationsbereitschaft.

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Die Welt vor 70 Jahren gehört uns!

Für den Public Domain Jam in Zürich ist das Urheberrechtsgesetz zwar der Ausgangspunkt für die Veranstaltungen, allerdings spielt das Urheberrecht für unsere Veranstaltung keine Rolle mehr. Gejammt werden alle Werke, deren Autoren 70 Jahre tot sind. Dieser freie Zugang ermöglicht eine Auseinandersetzung jenseits der Copyright Falle, in die wir tappen sobald wir uns auf eine rechtliche Diskussion über Urheberrechte einlassen. Zuviele Anwälte vertreten die Ansprüche von Erben, Stiftungen oder selbsternannten Verwalterinnen. Deswegen beschliessen wir: Die Welt vor 70 Jahren gehört uns … und unseren Kindern.

Phasen des Public domain jams
Der Public domain jam ist nicht eine veranstaltung, in der neue künstlerische werke verhindert sondern ERMÖGLICHT werden. Die Arbeit besteht aus 4 Phasen:
1. RECHERCHE URHEBER
2. WERKE SAMMELN, recherchieren welcher Autor welche Werke geschaffen hat, diese kopieren, scannen, verlinken (hier auf pdjam.wordpress.com)
3. JAM DESKS, KÜNSTLERISCHE & KREATIVE TECHNIKEN anfragen, entwickeln und veröffentlichen (Künstler, Programmierer, Tools)
4. VERANSTALTUNGEN ORGANISIEREN an denen Werke mit dem Publikum gejammt werden (Public Domain Jam, Apero, Day)

Die 7 künstlerische/kreative Tools stehen am Public Domain Jam zur Verfügung um durch die Workshop Teilnehmerinnen auf die gesammelten Werke angewandt zu werden. Die 7 Projekte sind Tools, mit denen man digitale Materialien JAMMEN kann. Der JAM steht im Mittelpunkt. Die Tools (auch künstlerische Techniken) sollen frei sein. Wir sprechen hier vom künstlerischen Umgang mit künstlerischem Material. Umso künstlerischer die Tools sind, mit denen wir Kunst bearbeiten, umso grösser wird das Werk. Diese These gilt es zu bestätigen. Ein Werk also einfach nur zu kopieren und nachzurpoduzieren kann technisch zwar eine Herausforderung sein, künstlerisch ist sie aber die schwächste Form der Weiterbearbeitung.

Im letzten Jahr war z.B. die Herangehensweise von Eric Gill an die Schrift als Bildhauer Teil des Public Domain Jams. Es galt Schrift im Sinn von Gill aus der heutiger Perspektive mit seinen Techniken zu überarbeiten. Das wäre meiner Meinung nach der richtige intellektuelle Zugang im Umgang mit den ursprünglichen Werken.

7 Tools am Public Domain Jam
– Sven Hürlimann: Text 2 Speech Tool mit Lautsprecher im öffentlichen Raum
– Christoph Stähli: Community Browser zur freien Bildassoziation
– Claudio Zopfi: eKaraoke
– Ingrid Käser: Collagen basteln mit Farbausdrucken, Texten, etc.
– Effi Tanner
– Marc Lee: Breaking the news
– Niklaus Mettler/Simon Trüb: 3D

Es geht an den Public Domain Veranstaltungen in Zürich also nicht so sehr um die Befreiung der Kunst aus den Klauen des Rechts sondern um eine radikale Aneignung der Vergangenheit durch Neu -u. Umdeutungen. Dazu haben wir ein Gestaltungskonzept entwickelt.

Unabhängig von den Stiftungen und Verwertungsgesellschaften nehmen wir uns so das Recht und verarbeiten die Werke neu. Das schöne an Public Domain ist, dass uns gesagt wurde, dass das Urheberrecht 70 Jahre lang gilt. Wenn nicht, soll uns im Nachhinein ein findiger Anwalt vom Gegenteil überzeugen. DIE WELT VOR 70 JAHREN GEHÖRT UNS!

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