Kasper sucht einen Knecht (Lisa Wenger)

Personen: Kasper, Sami, Kristen, ein Knecht

Kasper: (kommt singend daher, sieht den Sami nicht und stösst ihn an.) Oha, was steht denn da für ein Stock? Wer bist du? Was willst du hier? (Keine Antwort). Er versteht mich nicht, ich muss französisch mit ihm reden: Bun shur, Musié, commeé vu portugal? (Keine Antwort). Ich muss englisch reden: Hou du ju Dubel? – Er versteht auch kein Englisch. Da muss ich es italienisch probieren. Bon tschorno, madonna, tutti frutti, avanti, perduto … Auch kein italienisch. Ja, was verstehst du eigentlich, du Löhl?

Sami: Grad das verstehe ich. Hättet ihr mit dem angefangen!

Kasper: Jäso, seid Jhr ein Schweizer? Und wie heisset Ihr?

Sami: Sami. Aber meistens Löhn. Sie sägen mir alle so. (Kasper lacht.) Und ich habe Euch fragen wollen, ob ihr vielleicht einen Knecht braucht.

Kasper: Allweg ja, gerade suche ich einen. Was könnt ihr? Was habt ihr gelernt?

Sami: Alles kann ich. Grad alles. Fragt, wo ihr wollt es ischt überall die gleiche Antwort.

Kasper: Kristen, Kristen, komm her! Da ist einer, der alles kann.

Kristen: So, so, der kann alles? Da werde ich nicht lange mehr auf dem Hof bleiben können. Was will er für einen Lohn?

Sami: O habt keine Angst, Kristen, dass ich zu billig bin. Ein Fränklein will ich.

Kasper: Im Tag?

Kristen: (lacht furchtbar.)

Sami: Nicht im Tag, im Jahr.

Kristen: (haut ihm eine): Ich will dir, den Meister so zum besten zu haben.

Sami: Nummer weiters im Text, derartigs bin ich schon gewohnt.

Kasper: Also, was könnt ihr? Ich will fragen, und ihr könnt mir antworten. Also: Könnt Ihr säen? Wie tut Ihr etwa, um Mehl zu bekommen zum Brotbacken?

Sami: Das sich, denke ich, einfach: Ich kaufe ein vierpfündiges Brot, mache Brosämchen daraus und säe sie über den ganzen Acker.

Kristen: (gibt Sami einen Puff, dass er von Links nach Rechts rutscht.)

Kasper: O du Mordiolöhl! (Lacht furchtbar.) Und wie tut ihr etwa Kirschablesen, dass der Baum gut und gschwind leer wird?

Sami: (der jetzt rechts steht): Ho, das ist no einfacher. Ich hole Stücker zwanzig Buben aus der Schule und stelle eine Leiter an den Baum, und im Handumdrehen ist er leer.

Kristen: (gibt Sami einen Stoss, dass er wieder nach links fliegt.)

Sami: Das ist schnell gegangen. Jetzt bin ich wieder da!

Kasper: Löhn, was habe ich dann davon? Einfach dass mein Baum leer ist, und die Kirschen haben die Buben im Bauch.

Sami: He, denen tut es wohl, my Seel! Und ihr braucht die Chriesi nicht abzulesen.

Kasper: Kannst du reiten?

Sami: Das habe ich schon als Häfelischüler gekonnt, wenn ich auf meinem Holzrösli gehocket bin.

Kristen: (lacht.)

Kasper: Du anerkannter Löhn! Ich meine, ob du auf einem richtigen Ross schon geritten bist?

Sami: Allweg, wenn zwei mich halten und das Ross nicht davonläuft.

Kasper: Haut ihm eine herunter, Kristen, der ist ja dümmer als der König im Kegelries.

Kristen: (haut Sami eine, dass er vornüber fällt, gleich aber wieder aufsteht.)

Kasper: Also mit den Rossen ist es nichts. Jetzt zu den Kühen. Wie melkst du die Kühe?

Sami: Ho, etwa manierlich. Ich nehme sie und fange an. Und dann melke ich sie.

Kristen: Wo? Etwa am Horn?

Sami: Schäm dich doch! Wo? Am Schwanz, natürlich.

Kasper: Das hale ich nicht aus. Kristen …

Kristen: Ja, ja, brauchst mir nicht zu befehlen: Da! (Haut Sami eine, dass er vornüber fällt, wieder in die Höhe kommt, und Kristen haut ihm noch eine.) So! Bischt du zufrieden?

Sami: Dank heimisch, wenn du schon nur der Knecht bischt.

Kasper: Und wie steht’s mit dem Fahren?

Sami: O etwa ebenso gut wie mit dem Reiten. Wenn ich Rösselryti gefahren bin, sob bin ich immer in einem Wägelein gehockte, und es ist artig herumgefahren.

Kristen: Soll ich?

Kasper: Wart noch was der Plapperlöhl noch weiter weiss.

Sami: Plapperlöhl, das hat noch keiner gefunden, das ist ein gutes Wort. (Lacht.)

Kasper: Was gibst du den Kühen zu fressen? Weisst du, was sie brauchen?

Sami: Ho, das will ich meinen. Am Werktag gebe ich ihnen Kaffee und Schwarzbrot, um am Sonntag Weggli. Warum soll das liebe Vieh es schlechter haben als wir beide?

Kasper: Es ist zum Verrücktwerden. Lang höre ich nicht mehr zu. Und auf die Nacht, was machst du da?

Sami: Ich lege den Kühen halt ihr Nachthemli an und …

Kristen: Eins, zwei, drei …

Kasper: Halt, wart noch! Kinder, würdet ihr so einen Schnürfli zum Knecht wollen?

Kinder: Nein, nein, nein, nein!

Sami: Ich begreif‘, dass Ihr mich nicht wollt. Ich bin ein teurer Knecht. Man muss mir viel geben, bis man mich bekommt.

Kristen: So, viel muss man dir geben? Also: Hüp … (Prügelt ihn.)

Kasper: Bist du zufrieden? Sonst sag’s nur, kannst noch mehr haben. Ich habe auch noch ein paar in der Faust.

Sami: (reibt sich den Rücken): Meine Grossmutter hat immer gesagt: Man muss nicht von allem haben wollen.

Kasper: So lauf, so schnell du laufen kannst. Sonst könnte es schief gehen.

Sami: Vorwärts oder hinterwärts?

Kristen: (gibt ihm wieder einen Puff): So, jetzt weisst du den Weg.

Sami: (zu den Kindern): Ich glaube Mund mir scheint, der Kasper wolle mich nicht? Das kann ich nun einmal nicht begreifen. Vielleicht ist ihm ein Fränklein zu viel.

Kristen und Kasper: (wollen sich auf ihn stürzen, aber Sami rennt davon.)

Sami: (ruft): Auf ein ander Mal!

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