Funktionale Gebundenheit

Der von Duncker geprägte Begriff Funktionale Gebundenheit wird verwendet, wenn beim Problemlösen die Funktion eines Elementes innerhalb der Aufgabenstruktur schon gegeben ist. Vorwissen muss sich demnach nicht immer positiv
auf das Lösen eines Problems auswirken (Gestaltpsychologie). Ein Beweis dafür ist die funktionale Gebundenheit. Das Phänomen der funktionalen Gebundenheit äußert sich darin, dass Objekte mit ganz bestimmten Funktionen gedanklich in Verbindung gebracht werden und aus diesem funktionalen Zusammenhang nicht mehr gelöst werden können. Dies kann dazu
führen, dass aufgrund eben dieser funktionalen Gebundenheit die man einem Objekt (Gegens-
tand) gegenüber besitzt eine Problemlösung erschwert wird oder in weite Ferne rückt.

„Ein „Problem“ entsteht z.B. dann, wenn ein Lebewesen ein Ziel hat und nicht „weiß“, wie es
dieses Ziel erreichen soll. Wo immer der gegebene Zustand sich nicht durch bloßes Handeln (Ausführung
selbstverständlicher Operationen) in den erstrebten Zustand überführen lässt, wird das
Denken auf den Plan gerufen… Die „Lösung“ eines solchen praktischen Problems hat somit zwei Forderungen zu genügen: ihre Verwirklichung muss erstens die Verwirklichung des erstrebten Zustandes zur Folge
haben und zweitens vom gegebenen Zustand aus durch „bloßes Handeln“ erreichbar sein.“
(Duncker, 1935)

In einem Experiment bestand das Problem darin, Kerzen an eine Wand zu montieren. Die dazu benötigte Schachtel war aber in der Aufgabensituation als Behälter für die Kerzen vorhanden. Ihre Funktion war also gebunden und gerade diese funktionale Gebundenheit musste überwunden werden, damit der Weg zur Lösung frei wurde. Dann konnte die neue Funktion der Schachtel (als Kerzensims) erfasst werden. Die Aufgabenstellung wurde durch diese Funktionsveränderung umstrukturiert.

Weitere Beispiele für das Überwinden der funktionalen Gebundenheit sind Aufgaben, in denen z.B. ein Elektromagnet als Pendel, ein Ast als Verlängerung eines Armes oder ein Ziegelstein als Briefbeschwerer benutzt werden muss, oder wenn die Doppeldeutigkeit eines Wortes zu suchen ist, welches im Satzzusammenhang nur eine bestimmte Bedeutung haben kann. Bei visuellen Problemen sind es z.B. Vexierbilder, bei welchen das Überwinden der funktionalen Gebundenheit von Elementen eine Rolle spielt.

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